Führungskräfteentwicklung: Was Führungskräfte auf der zweiten Ebene besonders herausfordert

Führungskräfteentwicklung: Was Führungskräfte auf der zweiten Ebene besonders herausfordert

Die Ergebnisse meiner Umfrage zur zweiten Führungsebene sind eindeutig: 61,9 % sind der Meinung: Ja, die Manager auf der 2. Ebene haben es mit besonderen Herausforderungen zu tun! Dies deckt sich mit den Erfahrungen, die ich in vielen Führungskräftecoachings gemacht habe. Doch welches sind die besonderen Herausforderungen in dieser Position zwischen Mittel- und Top-Management? Und welche Änderungswünsche haben die F2-Führungskräfte? Diese Fragen habe ich in meiner Umfrage gestellt und  viele interessante Antworten erhalten, die ich Ihnen kurz zusammenfassen möchte:

  1. Es wird immer wieder die  Sandwichrolle genannt. Die F2-Führungskräfte sollen den Spagat zwischen mittlerem und Top-Management meistern und deren oft konträre Wünsche und Bedürfnisse befriedigen. Beide haben hohe Ansprüche und Erwartungshaltungen an die zweite Ebene. Diese Leistungsansprüche nehmen immer mehr zu. Doch die Realität mache es kaum noch möglich diese Ansprüche zu erfüllen.
  2. Viele F2ler sehen sich auch in einer Multifunktionsrolle fürs Top-Management. Zum einen übernehmen sie die gesamte Zuarbeit für die erste Führungsebene, zum anderen übersetzen sie die ganz oben verkündeten Strategien in operative Pläne und Maßnahmen und wickeln das operative Geschäft ab. Dabei werden nicht selten von der Geschäftsleitung geschäftskritische, nicht immer populäre Maßnahmen vorgegeben, die nach „unten“ durchgesetzt werden müssen. Die 2. Ebene soll  „gute Miene zum bösen Spiel“  machen.
  3. Auch die unterschiedlichen Spielregeln auf den verschiedenen  Führungsebenen werden  als besondere Herausforderungen genannt. Es wird von der 2. Führungsebene erwartet, dass sie die jeweilige Sprache und die jeweiligen Spielregeln beherrscht. Es entsteht der Eindruck, die 1. Ebene  sei eine geschlossene Welt und das Mittlere Management ebenso.  Für einige wirkt es so, als hätten diese beiden Welten nichts (mehr) miteinander zu tun. Das Selbstverständnis der F2-Führungskräfte ist – positiv formuliert – jenes der Mittlers zwischen zwei Welten, negativ formuliert:  der, der zwischen allen Stühlen sitzt!  Eine Führungskraft aus dem IT-Bereich nennt die unterschiedliche „Denke“ als besondere Herausforderung: Da die oberste Ebene immer weniger aus dem „Fach“ komme, habe die F2-Ebene die Aufgabe die Potentiale der IT nach oben dem Vorstand gegenüber zu vermitteln, gleichzeitig dem „fachlich geprägten Mittelmanagement“ das Business näher zu bringen.
  4. Mittel- und Top-Management danken diese Mittlerrolle laut den Umfrageteilnehmern nicht mit Wertschätzung, im Gegenteil:  Im Mittelmanagement gelten diese Manager häufig als Blockierer und Walls of Defenses, im Top-Management als „ungeschliffene Diamanten“.
  5. Die F2-Führunsgkräfte tragen viel Verantwortung und haben zugleich wenig Kompetenz  für Entscheidungen. Viele Umfrageteilnehmer berichten davon, dass klare Ziele und Vorgaben fehlen. Zudem werden Entscheidungen, welche die 2. Führungsebene betreffen, häufig von der ersten spontan widerrufen – was die Glaubwürdigkeit gegenüber den Mitarbeitern nicht gerade stärkt.  Darüberhinaus gebe es häufig Schwierigkeiten Entscheidungen herbeizuführen, weil dazu nötige Gesprächspartner oft nicht verfügbar seien.
  6. Vielfach fehlt es in den Unternehmen an der richtigen Vorbereitung auf diese besondere Führungsrolle. Führungskräfteentwicklung Fehlanzeige!
  7. Ein paar Stimmen formulierten die menschlichen Herausforderungen sehr anschaulich: Zum einen die Angst der 1. Ebene vor dem „Missbrauch“ als Puffer zwischen Top- und Mittelmanagement. Und noch eine ganz andere – viel tieferliegende Angst – resultierend aus großem Ehrgeiz in der Karriereplanung, Selbstzweifeln, überhohem Einsatz im Unternehmen, immer weniger Privatleben:   Statt dem Gefühl  es „geschafft“ haben, überwiege die Angst, es eben nicht zu schaffen…
  8. Und wie steht es mit der Informiertheit innerhalb und außerhalb des Unternehmens? Viele Führungskräfte der zweiten Ebene fühlen sich deutlich schlechter informiert als die Top-Ebene. Während die 1. Ebene fast überversorgt mit Veranstaltungsangeboten sei, gebe es auf dem Markt so gut wie nichts, was gezielt für diese Zielgruppe angeboten werde.

Ein Umfrageteilnehmer formuliert es so und vielleicht ist das die perfekte Zusammenfassung aller Antworten: „Für mich ist die zweite Führungsebene die schwierigste Schnittstelle im Unternehmen.“ 

Sehr spannend finde ich auch das Statement eines Vorstandes:

„Die zweite Führungsebene sollte das operative Geschäft eigenständig führen.  Ich mache die Beobachtung, dass sich diese sehr heterogene Ebene mit der Entwicklung strategischer Ausrichtungen oft schwer tut.  Teilweise finden sich hier sehr gute Experten, die aber zu wenig Manager sind.  Da es sich teilweise um langjährige Fachkräfte handelt, geht man davon aus, dass sie von ihrem Führungsverhalten „reif“ sind. Das ist nicht immer der Fall und manchmal eine falsche Erwartungshaltung….

Wir  dürfen also nicht nur die “Ebene“ sehen, sondern sollten auch immer wieder die Person/Persönlichkeit dahinter sehen: Nur lange dabei, heißt noch lange nicht gut. Und ein „Frischling“ ist nicht per se grün hinter den Ohren.

Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ihre Gudrun Happich

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