Blender oder Leister – wer bringt´s weiter?

Blender oder Leister – wer bringt´s weiter?

Der Beitrag „Blende gut, alles gut“ bei Karrierebibel hat mich vor einigen Tagen zu einem Kommentar inspiriert. Mir gefallen die Parallelen zur Tierwelt. Begnadete Selbstdarsteller gibt´s hier nämlich auch. Zum Beispiel den Pfau mit seinem bunt-schillernden Rad oder den Kanarierenvogel. Sein Gesang betört Weibchen nicht nur, sondern animiert sie auch dazu größere Eier zu legen…

Geht es auf den Führungsebenen in Unternehmen letztlich genauso zu? Sind die, welche besonders laut trommeln, wirklich schneller, höher, weiter oben? Vor einigen Jahren hätte ich noch mit einem klaren „Ja“ geantwortet. Aus der Erfahrung vieler, vieler Führungskräftecoachings mit Führungskräften aller Managementebenen würde ich heute sagen: Nein! Und wenn „Ja“, dann nur sehr kurzfristig. Ich denke, für die Blender sind schwere Zeiten angebrochen. Die Gesellschaft ist ihrer genauso überdrüssig wie der eindimensionalen Werbung.

Natürlich werden Beziehungen zwischen Leistungsträgern immer eine Rolle spielen. Und natürlich kann auch einem Leister ein bisschen blenden gar nicht schaden.

Grundsätzlich sehe ich als Executive Coach aber eine andere Beziehung im Kommen, die Symbiose. Sie ist auf Geben und Nehmen ausgerichtet  und funktioniert langfristig !!, weil beide!! etwas davon haben. Für Leistungsträger, die gerne viel geben, ist das die ideale Form… Auch hier ein Beispiel aus der Natur: Seeanemone und Einsiedlerkrebs zeigen, wie ein perfektes Zusammenspiel unterschiedlicher Fähigkeiten funktionieren kann. Die Seeanemone schützt als Koralle den Einsiedlerkrebs, der wiederum ihre Ernährung begünstigt, da er sie mit sich bewegt. Sie ernährt sich von seinen Nahrungsresten.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit symbiotischen win-win-Beziehungen?

Ihre Gudrun Happich

4 Kommentare

  1. Liebe Frau Happich,

    schön, dass Sie sich des Themas „Blender“ annehmen. Aus meiner Perspektive als Berater für Recruiting und Personalentwicklugn komme ich zu einem etwas skeptischeren Urteil. Ja, „Blender“ werden es schwer haben in der Zukunft, aber nur wenn die jeweilige Organisation dafür sorgt.
    Was heißt das? Ich meine Unternehmen/ Organisationen, welche Transparenz schaffen und leben. Wo bspw. 360-Feedback wirklich eingesetzt und die Erkenntnisse daraus genutzt werden oder wo Mitarbeiter und Kollegen sich gegenseitig beurteilen. Wo zudem ein hohes Maß an Selbst- und Teamsteuerung eingesetzt wird und auch funktioniert. Dort, in solchen Strukturen, kommen „Blender“ auf Dauer nicht durch. Wie heißt es so schön: Man kann einige auf Dauer täuschen, aber niemals alle…

    Aber: Viele Organisatinen sind keinesfalls auf Transparenz ausgelegt und viele Führungskräfte können nicht in genügendem Maß „loslassen“ (Selbststeuerung). In diesen „klassischen“ Strukturen nisten sich mMn immer noch eine Reihe „Blender“ ein. Sie haben dort nur ihrem Vorgesetzten zu gefallen, sie oder ihn zu „blenden“. Mit einer sehr guten Beziehung zu dieser Person und mit viel „buzz“ rund um die eigene Arbeit existieren „Blender“ in vielen Organisationen leider noch ganz gut. Das wird sich m.E. nur über Änderung der Strukturen und dem Führungsverständis in den Unternehmen beheben lassen. Mein Beispiel aus der Tierwelt für die Situation dort: Das Kuckucksei!

    Beste Grüße!

    • Gudrun Happich

      Lieber Herr Althanas,

      vielen Dank für Ihren wertvollen Kommentar. Sie haben vollkommen Recht: Ein Blender in einer dafür offenen Unternehmenskultur bzw. -struktur wird weiter solche Blender fördern.
      Doch ich erlebe in letzter Zeit tatsächlich immer mehr: „Man“ will Strukturen schaffen, wo sich „Blender“ weniger wohl fühlen. Anders ausgedrückt, eine Menge meiner Klienten sind ebenfalls dabei Ihre eigenen Teams umzubauen. Häufig höre ich: Leistung muss sich lohnen, und von daher dulde ich nicht (mehr), das sich ein Vorgesetzter mit den Leistungen seiner Mitarbeiter schmückt, wenn die Mitarbeiter „besser“ sind als der Vorgesetzte, dann wird mindestens der Mitarbeiter auch belohnt. evtl. auch befördert ….. selbst wenn es auf Kosten des „Blenders“ geht.
      Klar, da liegt noch ein langer Weg vor uns, doch ich beobachte mit wachsender Freude, dass immer mehr „Gerechtigkeit“ Einzug erhält und Blender zusehenst mehr „Schwierigkeiten“ bekommen mit Ihrer Verhaltensweise zu überleben. Wer weiß, vielleicht erfolgt ja bei den Blendern auch im Laufe der Zeit/Evolution ein Sinneswandel und Leistung hat wieder einen Wert – auch für Blender?

      Viele liebe Grüße nach Berlin
      Gudrun Happich

  2. Auch ich als Unternehmensberater mit Schwerpunkt Change und Business Development mag die Parallelen zur Tierwelt. Jene die laut trommeln sind zwar häufig schnell oben, langfristig ist der Fall, wie sie auch sagen, vorprogrammiert. Die mangelnde Substanz und der fehlende Tiefgang setzen sich in der Recruiting Strategie fort. In meinen 12 Jahren Führung habe ich genug Blender erlebt und das Verhalten genau studiert. Das Erbe dieser Führungskräfte anzutreten gleicht einem Scherbenhaufen und starke Persönlichkeiten bei den Hinterbliebenen finden Sie eher selten. Ich schliesse mich also nahtlos Ihrer Meinung an. Leider ist es allerdings so, dass diese Art Mensch immer noch häufig in Stellenangeboten gesucht wird und kein Headhunter dem Kunden die Wahrheit sagt. Schliesslich könnte er ja das Mandat verlieren. Wir arbeiten mit dem Transfer- und Veränderungsmodell, um lernfähige und transferstarke Mitarbeiter zu implementieren und eine optimale Führung sicherzustellen.

    • Gudrun Happich

      Guten Tag Herr Riesterer,

      vielen Dank für den sehr wertvollen und hilfreichen Kommentar.
      Viele Grüße
      Gudrun Happich

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