Live aus dem Führungskräftecoaching II: Von Politikern und Windmachern

Live aus dem Führungskräftecoaching II: Von Politikern und Windmachern

Letzte Woche habe ich im Leistungsträger-Blog die Reihe „Live aus dem Führungskräftecoaching“ gestartet. Von „meinen“ Leistungsträgern höre ich sehr oft den Satz: Ja, bin ich denn der Depp vom Dienst. Obwohl sie leisten und ackern, letztlich die Säulen des Unternehmens sind, wird ihnen oft der Rang von anderen abgelaufen. Als Lohn für ihre Höchstleistung erhalten sie nur noch mehr Arbeit.

Diese Blog-Reihe handelt von Strategien, die aus dem Ohnmachtsgefühl heraus führen. Um sie zu entwickeln, müssen Leistungsträger zunächst wissen, wer sich außer ihnen selbst noch in den Führungsetagen dieser Welt tummelt. Wer sind denn diese „anderen“, die oft weniger leisten und doch müheloser und schneller auf der Überholspur landen.

In  über 15 000 Stunden Führungskräfte-Coaching habe ich festgestellt, dass die Leistungsträger es im Wesentlichen mit zwei Persönlichkeitstypen in verschiedenen Ausprägungen zu tun haben: dem „Politiker“ und dem „Windmacher“.

Bevor ich Ihnen diese beiden Typen etwas näher beschreibe – ich stütze mich dabei neben meiner eigenen Beobachtung als Executive-Coach auf Persönlichkeitsmodelle von Wilhelm Reich, Alexander Lowen und Ron Kurz – eine kurze Bemerkung: Natürlich können solche Modelle niemals die individuellen Eigenschaften eines Menschen berücksichtigen und eine tiefergehende Analyse nicht ersetzen. Eine Idee und Orientierung geben sie aber doch und sie treffen erstaunlich häufig den  Kern.

Da ist zum einen der „Politiker“. Er hat ganz viel Lust an der Macht und auch an Machtspielchen. Er ist ein sehr guter Selbstdarsteller, der sich gekonnt in den Mittelpunkt stellt und hervorragend verkaufen kann. Und er legt auch sehr viel Wert auf sein Image. Der Politiker kann andere Menschen überzeugen, begeistern, mitreißen, motivieren. Mut, Willensstärke, ein hoher Energielevel gehören genauso zu seinen Stärken wie rhetorische Brillanz und Charismatik. Aber kein Licht ohne Schatten, kein Plus ohne Minus. Meist ist die Achillesferse direkt aus den Stärken abzuleiten und genauso ist es auch beim „Politiker“. Läuft es nicht so, wie er es sich vorstellt, wird er herrisch, ungeduldig und baut distanzierte, abwertende Verhaltensweisen auf. Der „Politiker“ ist ein Kontrollfreak, der nur mit hierarchischen Strukturen umgehen kann und mit Druck und Manipulation führt. Er kann schlecht kooperieren und ist definitiv kein Teamplayer. Er neigt zudem zur Selbstüberschätzung. Und dazu, Rollen zu spielen, die mit seiner Persönlichkeit nichts zu tun haben. Emotionalität, die er nicht steuern kann, macht ihm Angst.

Ganz anders „der Windmacher“. Er ist sehr emotional und zieht andere mit einer Mischung aus Temperament und kindlichem Charme  an. Oft hat er eine kreative Ader, wirkt optimistisch, kann gut motivieren. Er ist dauernd am Tun, kommuniziert wahnsinnig viel und kann sich gut verkaufen. Dadurch erhält er etwa in Meetings sehr viel  Aufmerksamkeit und kann seine Leistungen in den Mittelpunkt stellen.  Das viele Agieren und Kommunizieren ist aber auch Ausdruck eines sehr hohen Stresslevels. Der „Windmacher“ kann gar nicht anders. Er braucht dauernd neue Reize und Veränderung, wird von einer ständigen Ungeduld getrieben. Er ist immer unter Strom, kann kaum abschalten und schon gar nicht zuhören. Er vergisst schnell, was andere ihm erzählen – sein Gehirn ist einfach zu blockiert mit den eigenen rotierenden Gedanken. Bei seinen täglichen Führungsaufgaben neigt er zur Ungründlichkeit, er führt die Dinge nicht zu Ende, geht nicht in die Tiefe und bleibt selten lange in einer Position. Der „Windmacher“ neigt in seinen Emotionen zum Übertreiben, zum Drama. Er hat wenig Einfühlungsvermögen für seine Mitarbeiter und geht auch schnell in Konkurrenz zu ihnen.

Kommen Ihnen einige der vorgestellten Verhaltensweisen bekannt vor? Haben Sie Kollegen, die so oder so ähnlich agieren? Vielleicht haben  Sie manche der Eigenschaften auch bei sich selbst erkannt?  Das ist wunderbar. Denn das ist der erste Schritt um etwaige hinderliche Verhaltensweisen zu modifizieren. Im nächsten Beitrag der Reihe „Live aus dem Führungskräftecoaching“ stelle ich Ihnen den dritten Typ vor, der es oft an die Spitze schafft: den Leistungsträger. Mit ihm habe ich als Executive-Coach besonders häufig zu tun, weil er besonders selbstkritisch ist und an sich arbeitet.

Ihre Gudrun Happich

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