Der Leistungsträger - Blog

Im Juli hatte ich Sie gebeten, an einer interessanten Umfrage teilzunehmen: Es ging mir darum, einmal herauszufinden, wie das eigentlich ist mit dem Thema Authentizität oder dem Gegenpol Anpassung, wenn es um die Karriere geht.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Resonanz zu diesem Thema hat mich positiv überrascht – offenbar bewegt das viele Menschen. 92 Teilnehmer haben zu den von mir angebotenen Statements Stellung genommen, und ich denke, somit hat das Ergebnis schon eine gewisse Aussagekraft.

Wie Sie sehen können, gibt es einen absoluten Spitzenreiter:

Der Aussage „Authentizität ist mir im Zweifel wichtiger als ein Vorstandsposten“ stimmten 76,1% aller Teilnehmer absolut zu, dicht gefolgt von 72,8% für die Aussage „Wenn ich nicht authentisch agieren kann, wirkt sich das negativ auf meine Lebensqualität aus“.

Es zeigt sich damit deutlich, dass bei der Mehrzahl der Teilnehmenden der Wert Authentizität ziemlich weit oben angesiedelt ist – theoretisch zumindest. Der Wunsch nach Authentizität ist ja auch ein maßgeblicher Motor für Lebensqualität, Work-Life Balance, Leistungssteigerung, usw. Agiere ich authentisch, hat das bei diesen Themen meist positive Auswirkungen – tue ich das nicht, sind die Folgen meist eher negativ.

Allerdings ist hierbei der Kontext „Karriere“ ja nicht explizit angesprochen. Und ich habe mich außerdem gefragt, inwiefern die jeweilige berufliche Rolle sich bei den Antworten auch widerspiegelt:

Wer ganz nach oben will, muss sich anpassen, notfalls auch mal verbiegen“ – dieser Aussage stimmen 69,6 % immerhin teilweise zu, 7,6 % sind sogar der Meinung, dass das absolut zutrifft. Da wäre es doch wirklich interessant zu wissen, aus welchen Kontexten die Teilnehmer eigentlich kommen: Führungskräfte und Leistungsträger? Also Menschen mit Karriereerfahrungen in der Wirtschaft?

Ich frage mich nämlich, ob die Teilnehmenden hier aus Erfahrung „sprechen“ bzw. abstimmen – oder ob bei dieser Frage nicht auch Vermutungen eine Rolle spielen, nach dem Motto: „Ich habe gehört, dass man nur Karriere machen kann, wenn man immer mehr von seinen Werten aufgibt.“ Leider kann diese Umfrage das nicht beantworten. Vielleicht werde ich zu einem späteren Zeitpunkt hier noch einmal differenzierter auch nach den teilnehmenden Karrierepositionen fragen.

Platz 4 und 5 mit absoluter Zustimmung teilen sich mit 58,7 % bzw. 56,5 % die Aussagen „Wer sich selbst treu bleibt, schafft es überall hin, aber man muss die Spielregeln der Macht kennen und nutzen“ und „Es braucht eine gesunde Mischung aus Authentizität und Anpassung, um Karriere zu machen“. Beiden Aussagen wird von rund einem Drittel der Teilnehmer zumindest teilweise zugestimmt. Das scheint dafür zu sprechen, dass die meisten Teilnehmer das Thema Anpassung und Authentizität recht differenziert betrachten. Viele scheinen die Erfahrung gemacht zu haben, dass „Authentizität pur“ selten möglich ist. Auch hier frage ich mich wieder, aus welchen Kontexten heraus die Teilnehmer an der Umfrage geantwortet haben. Manchmal wäre ich ja schon gern Mäuschen … 🙂

Interessanterweise zeigen sich sowohl bei der Aussage „Wer ganz nach oben will, muss die berufliche Rolle von der Privatperson trennen“ als auch bei „100 % authentisch zu sein, ist unprofessionell, weil es die Erwartungen an die berufliche Rolle völlig ausblendet“ recht unterschiedliche Einschätzungen:

Jeweils ein gutes Drittel bis knapp die Hälfte stimmen dieser Aussage gar nicht zu, während etwas mehr als die Hälfte immerhin teilweise zustimmt – hier scheiden sich offenbar die Geister.

Das finde ich besonders spannend und würde gerne noch mal genauer nachfragen: Haben Sie Beispiele, die Sie zu der einen oder der anderen Antwort bewogen haben? Schließlich müssen ja konkrete Erfahrungen zu solch unterschiedlichen Einschätzungen geführt haben, und die würden mich interessieren.

Ich habe mich über die hohe Beteiligung an dieser Umfrage sehr gefreut und bedanke mich bei allen Teilnehmern für die aufschlussreichen Ergebnisse! Ich werde sicher an dem Thema dranbleiben und überlegen, wie ich das für Sie noch vertiefen und aufbereiten kann. Wenn Sie dazu Anregungen und Hinweise haben, freue ich mich.

Ihre
Gudrun Happich

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei