Der Leistungsträger - Blog

Führung ist ja eigentlich ganz einfach: Einer sagt, was zu tun ist, und die anderen erledigen das dann. – Oder?

Die Realität sieht natürlich anders aus, erst recht in den heutigen komplexen Unternehmensstrukturen. Nun kann man sich natürlich an dem jeweils aktuellen „Managementbuch des Jahres“ orientieren. Sicher findet man darin auch einige nützliche Tipps.

Ich empfehle Ihnen einfach mal, sich die Natur in all ihren Ausprägungen zum Vorbild zu nehmen. Denn ihre Prinzipien funktionieren seit undenklichen Zeiten – vielleicht sind ja einige interessante Impulse für Sie dabei?

Hier ein paar Ideen:

  1. Für Klarheit sorgen. Das ist ein zentraler Punkt, damit Führung gelingt, und insofern die vielleicht wichtigste Botschaft aus der Natur. Denn wenn Ihre Mitarbeiter sich nicht geführt fühlen, kommt es entweder zur Anarchie, wie bei Ameisen, denen man die Königin nimmt. Oder „Seitentriebe“ übernehmen die Führung – schön zu beobachten beim Mais, wenn man den obersten Trieb entfernt.
  2. Gute Rahmenbedingungen schaffen. Durch geeignete Rahmenbedingungen lässt sich die Leistung jedes einzelnen wirksam steigern. Wenn Sie jemanden neu ins Team nehmen, nehmen Sie sich ein Beispiel an der Bougainvillea. Denn auch diese schöne Pflanze benötigt eine Reihe von Faktoren, um gedeihen zu können. Verpflanzt man sie in eine unpassende Umgebung, geht sie meistens ein. Überlegen Sie also gut, was die richtigen Rahmenbedingungen für Ihren neuen Mitarbeiter sind, damit er auch in Ihrem Team „blühen“ kann.
  3. Leistungstypen berücksichtigen. Menschen arbeiten unterschiedlich, aber deshalb nicht unbedingt besser oder schlechter. Denken Sie an den Geparden, das schnellste Säugetier der Welt. Er wendet für kurze Zeit unglaubliche Energie auf, um seine Beute zu erlegen. Und dann legt er eine wohlverdiente Ruhepause ein, um für die nächste Herausforderung gewappnet zu sein. Löwen hingegen jagen im Team – und sind in der Ausbeute genauso effektiv. Sie setzen eher auf Ausdauer und langen Atem. Beides hat seine Berechtigung. Aber wenn Sie vom Löwen verlangen, wie ein Gepard zu agieren, gibt es ein Problem – und umgekehrt.
  4. Vertrauen statt Kontrolle. Geben Sie Ihren Mitarbeitern eine klare Vorgabe und lassen Sie sie dann laufen. Nehmen Sie sich ein Beispiel am Ökosystem Fluss: Auch hier sind verschiedene Organismen und Systeme sinnvoll aufeinander abgestimmt. Sie können nur miteinander existieren. Das System stimmt sich immer wieder aufeinander ab, wenn sich Bedingungen ändern, so dass das große Ganze weiterhin funktioniert und auf das gemeinsame Ziel ausgerichtet bleibt. Selbstorganisation bedeutet gegenseitige Wertschätzung durch das Wissen, dass jeder sein Bestes für das Ganze gibt und man sich darauf verlassen kann. Das steigert die Motivation ganz erheblich. Vertrauen kann ein weitaus effektiveres Regelungsinstrument sein als Kontrolle.
  5. Regeln etablieren. Klingt einfach, ist aber eine Führungsaufgabe, die häufig vernachlässigt wird. Dabei machen es viele Tiere, die in sozialen Systemen leben, vorbildlich vor, wie zum Beispiel Wölfe. Im Wolfsrudel befolgt jeder Wolf ein paar zentrale Regeln, die dem großen Ziel dienen: Das Rudel überlebt. Davon abgesehen hat jeder Wolf viele Freiheiten. Dadurch entsteht ein dynamisches Gefüge, das förderlich ist für die Innovationskraft des Teams und letztlich auch des Unternehmens. „Was dem Schwarm nicht nützt, das nützt auch der einzelnen Biene nicht.“ (Marc Aurel, röm. Kaiser)
  6. Fehler erwarten statt Fehler vermeiden. Unsere Blutgerinnung ist immer auf den Ernstfall vorbereitet: Wenn eine Verletzung erfolgt, tritt ein komplexes System in Kraft, das schließlich dafür sorgt, dass die Blutung gestoppt wird. Aus der Erfahrung heraus, dass Fehler nun mal passieren, die fatal enden können, wenn man nicht darauf vorbereitet ist, hat der Körper ein „Fehlerbeseitigungssystem“ entwickelt, das im Bedarfsfall quasi automatisch angekurbelt wird. Etablieren Sie in diesem Sinne eine Fehlerkultur, die Fehler erlaubt, aber auch Prozeduren entwickelt, um einen Schaden gegebenenfalls zu beheben oder aus dem Fehler sinnvoll zu lernen.
  7. Erfolgsmuster ändern. Gerade heute steht man als Führungskraft häufig vor der Aufgabe, sich internen oder auch extern verursachten Veränderungen zu stellen. Wenn man dann immer noch dieselben Strategien anwendet, die vielleicht zur Krise geführt haben, kann man eigentlich nur scheitern. Selbst Amöben sind da schlauer: Wenn der Tümpel, in dem sie leben, droht auszutrocknen, organisieren sie sich vorübergehend zu Vielzellern, um so die weniger gewordenen vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen.

Kennen Sie noch weitere interessante Parallelen zum Thema Führung aus der Natur? Ich freue mich immer über spannende und bildhafte Beispiele.

Ihre

Gudrun Happich

 

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei