Rezension: „Klartext für Anwälte“ von Eva Engelken

Rezension: „Klartext für Anwälte“ von Eva Engelken

Pragmatisch, praxisorientiert – konkret auf den Punkt gebracht

Eva Engelken, ihres Zeichens Juristin und Wirtschaftsjournalistin, hat mit ihrem Buch „Klartext für Anwälte“ meine volle Aufmerksamkeit erzeugt.

Nun kann man sagen: Was hat denn ein Executive Coach für leistungsorientierte Unternehmer und Führungskräfte mit einem Anwalt zu tun, so dass sie diese „fremde“ Lektüre liest? Vordergründig: „Nichts“ – doch auf den zweiten Blick: eine ganze Menge. Denn auch Anwälte verstehen sich als „Know-How-Träger“ deren Hauptleistung ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Expertise ist, die sie ihren Mandanten, also Kunden, zur Verfügung stellen. Die Materie, in der sich die Anwälte bewegen ist hochkomplex, und für einen Laien kaum zu durchschauen. Darüber hinaus ist jeder Anwalt anders, und jeder Anwalt ist etwas Besonderes, Einzigartiges. Doch der Kunde bzw. der Mandant ist oft Laie, versteht diese komplizierte Anwaltssprache nicht, will sie auch nicht verstehen und sieht dem Anwalt seine Kompetenz oftmals nicht sofort an. Dennoch will der Mandant den für ihn und sein Anliegen passenden und „besten“ Anwalt finden. Nun ja, und auch die Anwälte wollen natürlich am liebsten mit genau den zu ihnen passenden Mandanten und Mitarbeitern zusammen arbeiten.

Genau damit beschäftigt sich das Buch von Engelken „Klartext für Anwälte“: Wie schaffen es die Anwälte, ihre passende Zielgruppe zu finden und diese von sich zu überzeugen. Die Botschaft ist einfach und einprägsam zugleich: KLARTEXT. Und zwar auf allen Ebenen.

Das Buch ist sehr gut und klar strukturiert – KLARTEXT eben. Die Gliederung ist übersichtlich, es erscheint wie ein Handbuch, immer wieder gibt es Hinweise auf andere Kapitel, wo man zu diversen Themen weiterlesen kann. Als Leser fühle ich mich sehr begleitet und „geführt“, ohne dominiert zu werden – sehr angenehm. Für jede Situation und für jedes Niveau (Anfänger und/oder Könner) ist was dabei. Das ist schon eine wahre Kunst.

Besonders interessant fand ich Kapitel 5: Anwälte im Werbeblock.

Hier nimmt sie den Leser mit auf eine Reise durch den Dschungel der Markenbildung. Was bedeutet das überhaupt? Brauche ich das? Wenn ja, wie setze ich das um? Engelken bringt immer wieder praktische Beispiele von großen und von kleinen Kanzleien, national und international, gelungene und weniger passende, doch immer ohne zu brüskieren. Sie wechselt die Perspektiven. So erklärt sie mit Hilfe des Neuromarketings eindrucksvoll, warum bestimmte Wähler die eine oder andere Partei wählen. Wenn ich also die genauen Bedürfnisse und Wünsche meiner Zielgruppe gemäß des Neuromarketings analysiere, habe ich es um Klassen leichter, auch die passende Mandantschaft zu finden.

Das Thema „Klartext“ zieht sich durch das gesamte Buch, und auch hier wird der rote Faden an jeder Stelle aufgegriffen. Mir gefällt vor allem Engelkens Schreibstil: witzig, pointiert, klar, sie schafft es in „Normaldeutsch“ zu schreiben, und dennoch bewegt sich das Buch auf einem sehr hohen Niveau. Sie stellt genau die Fragen, die mir als Leser just zu diesem Zeitpunkt auch gerade durch den Kopf gegangen sind. Und sie formuliert auch immer wieder die Zweifel: „Brauche ich das überhaupt? Geht es nicht auch anders?“ Zudem wird immer wieder die Brücke zur konkreten Umsetzung geschlagen und das ist auch gut so.

Sie lässt mir als Leser immer die Wahl – den erhobenen Zeigefinger wird man hier vergeblich suchen, denn das ist nicht Frau Engelkens Stil. Sie möchte den Einstieg in diese wichtige und für den Leser wahrscheinlich eher unbekannte Welt leicht machen und dem Leser „Brücken“ bauen, so dass er für sich erkennt: Mit Klartext und ehrlicher und authentischer Kommunikation ist es viel leichter und erfüllender, sein Ziel, nämlich die richtigen Mandanten zu gewinnen, zu erreichen, und zwar ohne sich zu verbiegen. Und sie verschweigt dabei nicht, dass dazu auch viel Arbeit gehört – wobei man ja nicht alles alleine machen muss …

„KLARTEXT“ bietet also wesentlich mehr als nur Formulierungshilfe fürs Anwaltsdeutsch. Da geht es nicht nur darum, „klar“ zu sprechen, sondern sich klar zu positionieren, klar die eigenen Werte zu identifizieren, die Zielgruppe genau zu identifizieren, sich der eigenen Bedürfnisse und auch der Bedürfnisse der Zielgruppe klar zu werden, das Portfolio klar zu definieren, den Nutzen auf den Punkt zu bringen, eine klare Sprache im Marketing zu haben, auf der Webseite, in Texten, in Briefen oder auch einem eigenen Slogan. Auch die „klare“ Entscheidung: Englisch, Deutsch, Denglisch ist ein wichtiger Punkt. Engelken macht einen grandiosen Rundumschlag bis hin zum Bereich Social Media, um den wohl ein Anwalt nicht drum herum kommt.

Was mir darüber hinaus sehr gut an dem Buch gefällt: Die vielen Ergänzungen und Zitate. So verweist sie auf Kollegen, die Profis im Bereich Blog sind, oder zitiert Bücher von namhaften Experten, die sich zu speziellen Themen äußern. Sie geht offen und „klar“ mit ihrem Know-how und ihren Erfahrungen und Kollegen um. Das macht sie als Autorin sehr sympathisch. Beim Lesen des Buches ist bei mir der Eindruck hängen geblieben: Die Frau lebt absolut, was sie schreibt – Klartext in allen Lebenslagen, mit einer gehörigen Portion Humor.

Fazit: Ich denke, jeder der sich als „Wissens-Arbeiter“ versteht, sollte dieses Buch nutzen und die Botschaft „KLARTEXT“ in seinen Alltag einbauen. Das gilt für alle Dienstleister, die mit ihrem Know-how ihr Geld verdienen, und das können neben Anwälten auch Ärzte, Steuerberater, Berater, Selbständige, Experten und sogar Führungskräfte etc. aus den verschiedensten Bereichen sein.

 

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