Intuition für die Lösung komplexer Führungsprobleme

Intuition für die Lösung komplexer Führungsprobleme

Intuition? Um Führungsprobleme zu lösen? Hier scheiden sich manchmal die Geister. Die einen, überzeugte Zahlen-Daten-Fakten-Menschen, finden, dass dieses undefinierbare Bauchgefühl im Führungsalltag nichts verloren hat. Sie sind der Meinung, dass komplexe Entscheidungen durch Gefühle nur noch komplizierter werden.

Die anderen wissen, meist aus guter Erfahrung, dass ihre Intuition ein guter Wegweiser sein kann, gerade bei schwierigen Führungsentscheidungen.

Wann das Bauchgefühl hilfreich ist

Tatsächlich ist es so, dass die Neurowissenschaften in den letzten Jahren nachweisen konnten, wie Entscheidungen funktionieren: niemals ohne Emotionen nämlich. Im Gegenteil: Menschen, die zum Beispiel durch einen Unfall eine Schädigung in dem Gehirnbereich davon getragen haben, der für die emotionale Bewertung von Vorgängen zuständig war, sind danach nicht mehr in der Lage, auch nur einfachste Entscheidungen zu treffen. Sie wägen morgens endlos ab, ob es die graue oder die grau-blau gestreifte Krawatte sein soll. Und die klassische Pro-contra-Liste hilft ihnen dabei leider auch nicht.

Noch viel weniger sind sie dazu fähig, komplexe Entscheidungsprozesse zu vollziehen.

Der Hirnforscher Gerd Gigerenzer, der vor zwei Jahren das Buch Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition geschrieben hat, ist der Meinung, dass unter Unsicherheit – wenn also zum Beispiel nicht alle oder auch zu viele Details bekannt sind – einfache Strategien, Erfahrung und Intuition zusammenwirken für eine bessere Problemlösung.

Was ist die Grundlage richtiger Entscheidungen?

Das finde ich wirklich total spannend, denn das fragt ja ganz grundsätzlich danach, was eigentlich die Basis für eine gute und richtige Entscheidung ist. Das Zahlenmaterial alleine ist es offensichtlich nicht.

Gerade wenn wir es mit Menschen und Organisationen zu tun haben, sollten wir doch auch menschliche Verhaltensweisen und Reaktionen mit einbeziehen. Ich finde, es wäre geradezu sträflich bei einer Führungskraft, ihre eigenen Erfahrungen und sozialen Kenntnisse zu vernachlässigen. Wir sollten unserem Bauchgefühl da manchmal etwas mehr Wertschätzung zubilligen und zuweilen auch mal bewusst gegen die Zahlen entscheiden. Leider ist das in der heutigen „Absicherungskultur“ nicht immer einfach.

Der Intuition auf die Schliche kommen

Ich wünsche mir mehr Leistungsträger, die ihrem Bauchgefühl auch mal gegen Widerstände vertrauen. Was dabei helfen kann, ist ein kritisches Ausleuchten. Das hat sich bei vielen meiner Klienten auch im Executive Coaching bewährt. Wenn sich also ein komisches Gefühl meldet und signalisiert „Hier läuft etwas nicht so gut“ – dann können folgende Fragen helfen, dem Bauchgefühl auf die Spur zu kommen und es hinsichtlich seiner Bedeutung zu bewerten:

  • Was gefällt mir gerade nicht?
  • Was läuft vielleicht sogar schief?
  • Was steckt wirklich hinter der Äußerung oder Handlung des Gegenübers?

Wenn man so systematisch mit den Signalen umgeht, die die eigene Intuition einem schickt, merkt man schnell, wie zuverlässig das „Bauchgehirn“ funktioniert. Und es hilft dabei, Entscheidungen zu treffen, die sich auf reiner Faktenbasis schwer begründen lassen.

Wie geht es Ihnen in Ihrem Führungsalltag – nutzen Sie Ihre Intuition bereits erfolgreich? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Ihre Gudrun Happich

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