Wie Sie am besten strategische Netzwerke knüpfen

Wie Sie am besten strategische Netzwerke knüpfen

Damit es Ihnen nicht so geht wie Gerhard P., dessen Fall ich Ihnen letzte Woche geschildert habe (Weggelobt – wie konnte das passieren?), möchte ich Ihnen ein paar Ideen an die Hand geben, wie es Ihnen gelingen kann, ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen. Denn das brauchen Sie im Topmanagement unbedingt.

Ein Beispiel:

Iris H. ist eine Top-Spezialistin in ihrem Bereich, was jeder bestätigt, der mit ihr zu tun hat. Doch wenn man im Konzern nach Frau H. fragen würde, könnte niemand etwas mit ihrem Namen verbinden. Trotzdem will sie jetzt weiter nach oben, aber sie schafft den Sprung einfach nicht, weil ihr die „Sichtbarkeit“ fehlt. „Ich bin doch nicht so ’ne Networkerin!“ wehrt sie sich zunächst eher entsetzt.

Dieses Phänomen erlebe ich bei meinen Klienten sehr häufig. Die meisten sind sehr auf Qualität ausgerichtet und wollen durch ihre Leistung überzeugen. Gegenüber denjenigen im Unternehmen, die „immer nur rumlaufen und erzählen, wie toll sie sind“, wird eher ein Feindbild aufgebaut. Tatsächlich geht es aber darum, den Bekanntheitsgrad bei denjenigen zu erhöhen, die von Ihnen wissen sollten – spätestens dann, wenn Sie den nächsten Karriereschritt anpeilen.

Hürden beim Netzwerkaufbau

Ich arbeite also mit Iris H. zunächst einmal daran, ihre negative Wahrnehmung zum Thema Netzwerk zu verändern und ihr die hohe Bedeutung politischer Prozesse zu verdeutlichen. Denn sie muss ja nun zwei Hürden meistern:

  1. Sie muss Leute auf der Ebene kennen lernen, in die sie wechseln möchte, also auf der oberen Managementebene. Statt Mitarbeiterkontakten braucht sie jetzt „höherwertige“ Kontakte zu Führungskräften in den Topetagen. Ihre Zielgruppe – zukünftige Chefs, Kollegen, Kunden, etc. – muss sie kennen.
  2. Auf der anderen Seite braucht sie natürlich auch eine „Heimat“, ein Netzwerk von Menschen, das ihr Rückendeckung gibt, wo persönliches Vertrauen und persönliche Nähe herrscht.

Beziehungs-Analyse

Um eine differenzierte Landkarte ihres bestehenden Netzwerks zu zeichnen, stelle ich ihr Fragen: Wer gehört dazu? Wie sehen diese Beziehungen genau aus? Und welche mikropolitisch wertvollen Bindungen sind bereits vorhanden?

Wir analysieren also:

  • Auf welche Beziehungen setzen Sie?
  • Auf welche Beziehungen könnten Sie am wenigsten verzichten?
  • Auf welche Beziehungen sind Sie besonders stolz?
  • In welchen Beziehungen fühlen Sie sich besonders wohl?
  • Was tun Sie, wenn Sie jemandem im Unternehmen zum ersten Mal begegnen?
  • In welchen Beziehungen erfahren Sie Rückhalt?
  • Wer macht Sie im Unternehmen bekannt?
  • Wer hält Sie auf dem Laufenden darüber, was im Unternehmen gerade ansteht?

Im nächsten Schritt überlegen wir dann gemeinsam, wie sich die bestehenden Beziehungen optimal nutzen lassen: Welche kann man wie intensivieren, wie kann man eventuell bisher eher negative Beziehungen in positive umwandeln.

Erst dann kommen wir zu der Frage, wie Iris H. nun auch noch die richtigen Personen kennen lernen kann. Am einfachsten geht das, indem man genau analysiert, wer aus den bestehenden Kontakten vielleicht bereits Personen aus der Zielgruppe kennt.

Strategischer Netzwerkaufbau

Nun kommt der strategische Teil: Ich empfehle Iris H., sich mit diesen Personen zu verabreden, vielleicht zum gemeinsamen Mittagessen in der Kantine, um nach und nach ihr Vertrauen zu gewinnen. Zuvor soll sie sich aber unbedingt Gedanken machen, welchen Nutzen sie ihrem Ansprechpartner bieten kann. Denn auch beim Karrierenetzwerk gilt die alte Weisheit vom Geben und Nehmen. Nur wenn beide Parteien profitieren – und damit meine ich durchaus auch den emotionalen Nutzen – bleibt eine Beziehung dauerhaft bestehen.

Achtung: Ziehen Sie vorher vorsichtige Erkundigungen über diese Person ein. Manchmal steht der angepeilte Kontakt bereits auf einer internen „Abschussliste“ – und wer sich mit so jemandem zur Unzeit verbrüdert, fügt vielleicht seinem eigenen Image einen unnötigen Schaden zu. Denn wenn wir schon strategische Partnerschaften schließen, dann sollten es auch solche mit Leuten sein, die tatsächlich bereits einen gewissen Status im Unternehmen haben.

Netzwerke brauchen Pflege und Zeit

Je mehr Sie sich unternehmensintern etablieren, umso mehr werden Sie auch zu sozialen Gelegenheiten eingeladen. Unterschätzen Sie das nicht! Bei manchen Topmanagern macht dieser Teil ihrer Arbeit rund 30 Prozent aus – und sie ziehen daraus auch Umsatz in ähnlicher Höhe. Networking auf hohem Niveau ist eine Kunst und keine lästige Pflicht, der man sich entziehen kann. Jedenfalls nicht, wenn man wirklich ganz nach oben will.

Werden Sie auch selbst aktiv und beginnen Sie schon früh damit, Menschen mit Potenzial in Ihr Netzwerk aufzunehmen: den vielversprechenden jungen Journalisten, Ihren Assistenten, einen interessanten Kunden oder Berater. Gehen Sie gemeinsam zu einer spannenden Veranstaltung, vielleicht einer Galerie-Eröffnung im Ort, oder zu einem hochkarätigen Sportevent. Vielleicht wird einer dieser Kontakte in 5 bis 10 Jahren in einer Position sein, wo er für Sie einen entscheidenden Kontakt herstellen kann. Das lässt sich nur bedingt planen, und Sie sollten bei der Wahl Ihrer strategischen Partner auch durchaus auf den Sympathiefaktor achten. Ein Kontaktnetzwerk aufzubauen, wenn Sie in einer Karrierekrise sind, ist ein schlechter Zeitpunkt – genau dann sollten Sie nämlich bereits darauf zurückgreifen können.

Tipp: Noch mehr Topmanagement-Spielregeln

Wenn Sie weitere Informationen und Impulse zum Thema Topmanagement bekommen möchten, schauen Sie doch mal bei der Karrierebibel vorbei. Dort habe ich kürzlich einen Auszug aus dem 15. Kapitel meines Buches veröffentlicht: Wenn die Karriere zum Alptraum wird.

Wie gehen Sie mit dem Thema Netzwerk um? Arbeiten Sie gezielt daran oder überlassen Sie das mehr dem Zufall? Ihre Erfahrungen würden mich wie immer sehr interessieren.

 

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Happich,

    schön, dass Sie auch einmal den Fall einer Frau in Ihrem Blog vorstellen. Meist drehen sich die Aufsteigergeschichten ja doch um Männer. Ich glaube, gerade für Frauen ist es speziell schwer, den Hintergrund zu verlassen und sich bewusst sichtbar zu machen. In klassischen Männernetzwerken fällt es uns oft schwer, uns vernünftig zu verorten und zu verankern. Ihre wertvollen Tipps zeigen, dass auch für Frauen ein Aufstieg durchaus möglich ist, wenn sie sich auf das Abenteuer Netzwerken einlassen. Danke!

    • Gudrun Happich

      Liebe Frau Handl,

      vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag. Sie haben einerseits vollkommen Recht: dieses Thema haben Frauen.
      Aber: was vielleicht überrascht: vor dieser Herausforderung stehen auch viele Männer.
      In meiner über 15 jährigen Erfahrung in der Arbeit mit Leistungsträgern, die’s anpacken komme ich eher zu dem Schluss: Dies ist nicht unbedingt ein typisches Frauenthema, sondern eher eine besondere Herausforderung für Leistungsträger, also diejenigen, die sehr engagiert sind, sehr leistungsorientiert arbeiten und etwas bewegen wollen – und zwar vollkommen egal auf welcher Hierarchieebene.

      Um so wichtiger ist es vielleicht gangbare! Wege zu finden, um doch zu den gewünschten Ergebnissen und Erfolgen zu kommen und so endlich das ersehnte Ziel zu erreichen: Menschen bewegen und eine Idee oder das Unternehmen voran zu bringen und dadurch etwas Bedeutendes zu erzielen.

      Herzlichen Gruß

      Gudrun Happich

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