Etwas bewegen im Unternehmen – aber wie?

Etwas bewegen im Unternehmen – aber wie?

In meiner Coachingpraxis mit Führungskräften und Leistungsträgern auf den oberen Führungsebenen zeigt sich oft sehr deutlich der Wunsch danach, größeren Gestaltungsspielraum zu erhalten. Wer engagiert ist und mitdenkt, hat Ideen und will etwas bewegen. Genau das bringt ja oft erst die Freude an der Arbeit.

Häufig fühlen sich meine Klienten aber geradezu ausgebremst, wie sich ja auch in den Ergebnissen meiner Umfrage zu Herausforderungen im Führungsalltag zeigte. Sie ziehen dann den Schluss, dass ihr Engagement gar nicht gewürdigt wird, manche resignieren und verlieren den Glauben daran, dass sie noch was bewegen können in ihrem Unternehmen. Zuweilen führt dieser Frust sogar dazu, dass sie das Unternehmen wechseln, weil sie hoffen, ihre Vorstellungen woanders besser verwirklichen zu können.

Alle verlieren, wenn einer geht

Leider ist das dann ganz oft eine „Lose-Lose-Situation“: Das Unternehmen verliert einen wertvollen Mitarbeiter, und die Führungskraft stellt vielleicht fest, dass der Wechsel nicht unbedingt die ersehnte Verbesserung der Situation mit sich bringt.

Es gibt ja drei Bereiche in unserem Leben: den Kontrollbereich, in dem wir selbst zu hundert Prozent bestimmen können, den Einflussbereich, wo wir bis zu einem gewissen Grad unsere Ideen einbringen können, und die globale Welt, die sich unserem Einfluss scheinbar erst einmal entzieht.

Erkennen, was man beeinflussen kann

Meiner Erfahrung nach lässt sich im Unternehmen oft weit mehr erreichen als viele zunächst denken. Nämlich dann, wenn man die Verantwortung für die unbefriedigende Situation nicht nur im Außen sucht, bei den anderen, den Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, sondern auch bei sich selbst. Denn das Unternehmen zählt zum Einflussbereich. Und das bedeutet:

Es geht vor allem darum, Orientierung und Klarheit zu finden für die eigenen Vorstellungen und Ziele. Erst wenn ich die richtigen Fragen an mich selbst stelle, werde ich Antworten finden.

11 Denk-Fragen für Führungskräfte

Deshalb habe ich für Sie einmal ein paar Denk-Fragen zusammengestellt, die Sie dabei unterstützen können, immer besser wahrzunehmen, um was es Ihnen wirklich geht. Denn Standard-Lösungen gibt es meistens nicht – Sie müssen Ihren ganz eigenen Weg finden.

  1. Was ist gerade in oder an meiner Situation gut? Und soll so bleiben? (So paradox es klingt, bitte fangen Sie mit dieser Frage an.)
  2. Was sind meine persönlichen (Karriere-)Ziele? Wie kann ich sie erreichen? Und wie noch?
  3. Welche Rahmenbedingungen sind für meine Leistungsoptimierung wichtig?
  4. Welche meiner aktuellen Rahmenbedingungen sind fix und unveränderbar? Wirklich?
  5. Wo ist ein Spielraum möglich, und sei er noch so klein?
  6. Wie kann ich in Erfahrung bringen, wie ich meinen Einfluss geltend machen oder vergrößern kann?
  7. Wie lerne ich, mich besser von den Erwartungen meines Umfelds unabhängig zu machen und mich abzugrenzen?
  8. Wie sorge ich dafür, dass ich die Freude an der Arbeit behalte?
  9. Welche Möglichkeiten habe ich in meiner Rolle tatsächlich, um meine Situation zu meistern?
  10. Wie schaffe ich mir Verbündete und finde Gleichgesinnte?
  11. Wie und wo finde ich überhaupt die Unterstützung, die ich brauche?

Vielleicht merken Sie schon beim Lesen dieser Fragen, dass sich Ihre Sicht auf die Dinge verändert: Sie können Ihre Situation aktiv gestalten und verändern.

Die Erfahrungen zeigen: es gibt weitaus mehr Möglichkeiten etwas zu beeinflussen oder sogar zu verändern, als wir im ersten Moment annehmen. Wie müssen nur die Chance nutzen, danach zu suchen.

Wenn Sie mögen, teilen Sie Ihre Gedanken mit mir und meinen Lesern, gerne hier in den Kommentaren – auch unter Pseudonym – oder auch persönlich: am Telefon oder per Mail.

 

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Happich, die achte Frage sehe ich sogar noch deutlich weiter oben. Schließlich hilft alle Karriere nichts, wenn’s keinen Spaß macht. Oder wie ich in meinem Beitrag http://schlosser.info/die-eigene-sichtweise-macht-die-realitaet-aus/ schrieb:

    »Das neue Jahr unterscheidet sich vom alten dadurch, was du daraus machst und wie du es siehst. Es wird ein gutes Jahr, wenn du dein Möglichstes dazu tust und alles andere neugierig und positiv aufnimmst.«

    • Gudrun Happich

      Lieber Herr Schlosser,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, dieser 8 Punkt zielt überwiegend darauf ab, die Eigenverantwortung zu erhöhen.
      Und wenn mir die Arbeit im Moment keinen Spaß und keine Freude bereitet, dann kann ich mich enttäuscht in die „Ecke setzen“ und hoffen, das mich mein Umfeld erkennt und wieder aufbaut. In der schnellebigen Zeit werde ich allerdings in der Realität recht lange dort warten müssen und vor allen Dingen meistens vergebens. Also, dann lieber einen anderen Weg wählen: was kann ICH selbst dazu beitragen, das es mir wieder gut geht.

      Viele Grüße
      Gudrun Happich

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