Auswertung zur Umfrage „Erwartungen, Visionen und Wünsche für den Führungsalltag“

Nachdem ich im Dezember nach den aktuellen Herausforderungen des Führungsalltags gefragt hatte, interessierte mich natürlich auch, was Führungskräfte mit Personalverantwortung denn anstreben. Deshalb startete ich am 17.01.2011 eine zweite Umfrage unter dem Titel „Was sind Ihre Erwartungen, Visionen und Wünsche für den Führungsalltag?“ Bis zum 18.02.2011 hatten die Teilnehmer Zeit, unter den vorgegebenen 20 Antworten bis zu 10 anzukreuzen.

Insgesamt haben sich 25 Führungskräfte beteiligt, die meisten davon habe ich persönlich um ihre Teilnahme gebeten. Insofern sind die Aussagen natürlich nicht repräsentativ, aber ich denke doch, dass ein paar interessante Tendenzen zu erkennen sind.

Die Ergebnisse


(Durch Klicken auf das Bild lässt es sich vergrößern. Bildquelle: www.SurveyMonkey.com)

Insgesamt lassen sich drei große Wünsche erkennen:

  1. Vertrauen statt Kontrolle (86%)
  2. Kritikfähigkeit (76%)
  3. Gestaltungsspielraum/Freiheit (68%)

Wie lässt sich das interpretieren?

  1. Die Führungskräfte wünschen sich überwiegend einen vertrauensvollen Führungsstil, bei dem man auf mehr Vertrauen und weniger Kontrolle setzt. Das ist aus meiner Sicht erfreulich, entspricht es doch auch den Anforderungen, wie das Management der Zukunft funktionieren sollte. Erfahrungsgemäß ist das allerdings gar nicht so leicht zu erreichen, sind wir doch schnell mit Kontrolle dabei, wenn etwas nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.
  2. Die meisten Führungskräfte wünschen sich Kritikfähigkeit, und zwar im gleichen Maß von den Mitarbeitern, von den Vorgesetzten und von sich selbst.
    Das könnte durchaus als Hinweis dafür verstanden werden, dass Führungskräfte mit Personalverantwortung mehr (Selbst-)Verantwortung übernehmen und konstruktiv „mitreden“ möchten.

    Mir gefällt daran: Sehr häufig neigen wir ja dazu, sehr hohe Ansprüche an die anderen zu stellen, wie diese zu sein und sich zu verhalten haben, damit es uns selbst besser geht 🙂 . An diesem Ergebnis zeigt sich jedoch, dass die Führungskräfte durchaus bereit sind, ihre Rolle zu reflektieren und so ihren Beitrag zum besseren Gelingen leisten.

  3. Bei der ersten Umfrage zu den Herausforderungen des Führungsalltags stand der Wunsch nach Anerkennung und Wertschätzung mit 38,5 % an zweiter Stelle. Dieses Thema habe ich in der jetzigen Umfrage quasi als „rhetorische Frage“ wieder aufgenommen, weil ich annahm, das es natürlich auch hier ganz vorne liegen würde. Und tatsächlich: mit 52 % wünschen sich mehr als die Hälfte der Teilnehmer Wertschätzung. Dass es dennoch „nur“ zu Platz 5 gereicht hat, liegt wohl daran, dass noch viele andere Wünsche als mindestens genauso wichtig angesehen wurden. Der ausgeprägte Wunsch nach umfassenden Gestaltungsmöglichkeiten zeigt aus meiner Sicht das große Potenzial, das in leistungsbereiten und engagierten Führungskräften für die Unternehmen liegt.

Fazit:

Ich denke, dass die Umfrage von der Tendenz her zeigt, dass Führungskräfte mit Personalverantwortung verantwortungsbereit, engagiert, leistungsorientiert und kritikbereit sind. Sie wollen was bewegen und sind bereit, sich „reinzuhängen“ – nicht um sich selbst zu verwirklichen oder die alleinige Macht zu besitzen, sondern im Einklang mit den Firmeninteressen. Allerdings wollen sie auch eine „Gegenleistung“: Gestaltungsmöglichkeit, Wertschätzung, Loyalität und systematische Vorbereitung auf die „Fallen“ im Führungsdschungel bzw. in den oberen Etagen. Ich kann aus den Ergebnissen nicht erkennen, dass die Führungskräfte unbedingt einen Unternehmenswechsel anstreben. Stimmt das Umfeld, „bedankt“ sich die Führungskraft mit ihrer Loyalität und vollem Einsatz.

Die Befragten wollen Offenheit, Transparenz, Vertraute und Gleichgesinnte auch in hohen Positionen, um sich über die wirklichen Themen austauschen zu können. (Für diese Zwecke habe ich übrigens meine Alumni-Community ins Leben gerufen.) Und ich denke, man kann auch erkennen, dass Führungskräfte, die’s anpacken, davon überzeugt sind, dass Leistung auf der einen Seite und Lebensfreude, Loyalität und sich selbst treu bleiben auf der anderen Seite sich nicht widersprechen müssen.

Was bedeutet das für Führungskräfte, die’s anpacken:
Ihre Wünsche sind berechtigt und im Hinblick auf ein modernes (Top-)Management absolut zukunftsweisend – und Sie stehen damit nicht allein. Sie sollten sich daher von Ihren Visionen nicht abbringen lassen. Suchen Sie nach gangbaren Wegen, die noch fehlenden Kompetenzen zu erwerben oder zu vertiefen/verfeinern. Das kostet manchmal Zeit und ist in vielen Fällen sehr individuell – aber es lohnt sich, dran zu bleiben. Dann steht Ihnen die Welt wirklich offen – auch in den Top-Etagen.

Was bedeutet das für das Unternehmen:
Wenn Sie die richtig Guten – also die Leistungsträger und Führungskräfte, die’s anpacken – langfristig in Ihrem Unternehmen einbinden und halten wollen, dann ist es, wie Steve de Shazer immer zu sagen pflegte, im Grunde ganz einfach, das heißt aber nicht, dass es leicht ist 😉 .

Denn die wahren „Säulen des Unternehmens“ – die Innovatoren, die Krisenfesten, die Leistungsträger eben – bringen gern freiwillig volles Engagement, wenn das dann auch auf fruchtbaren und nahrhaften Boden fällt und die „Samen“ aufgehen können. Es ist letztlich also eine Frage der Unternehmensvision und der Unternehmenskultur, und damit eine Frage der Haltung, ob die Besten bei Ihnen bleiben und Ihr Unternehmen leistungsfähig, innovativ und wettbewerbsfähig halten, oder ob sie abwandern.

Einen Kommentar schreiben

Phantom zweite Führungsebene? Umfrage: Ihre Meinung ist gefragt!
Ich muss sagen, ich bin ein bisschen verwirrt. Seit nun immerhin 15 Jahren begleite ich als Führungskräfte-Coach über [...] mehr