Der Leistungsträger - Blog

Meine Umfrage zum Thema Herausforderungen des Führungsalltags brachte ja ein sehr spannendes Ergebnis: Mit weitem Abstand beklagten die Teilnehmenden, dass es so schwierig sei, ihre Mitarbeiter zum aktiven Mitdenken zu motivieren.

Wie so oft hat auch dieses Thema zwei Seiten:

Leistungsträger sind es einerseits gewohnt mitzudenken, Entscheidungen zu treffen, strategisch zu planen und ins Tun zu kommen. Sie wissen, dass man manchmal auch in den sauren Apfel beißen muss, sind sehr verantwortungsbewusst und ergebnisorientiert. Gleichzeitig haben sie oft sehr hohe Ansprüche an sich selbst bis hin zu einem gewissen Perfektionismus.

Kennen Sie das? Dann wissen Sie auch, dass es manchmal ganz schön schwer ist zu akzeptieren, dass nicht alle Menschen so getaktet sind. Viele sind nämlich ganz zufrieden damit, Anweisungen zu erhalten und diese dann auszuführen. Vielleicht hilft es Ihnen, sich klarzumachen, dass Sie wahrscheinlich genau deshalb Leistungsträger und Führungskraft mit Personalverantwortung sind, weil Sie über die oben genannten Ressourcen verfügen.

Bei manchen Mitarbeitern kann man also eben nicht mehr erwarten als reines Abarbeiten – allerdings sollten auch in diesem Fall die Spielregeln klar kommuniziert werden: Wer nicht mitdenken will, muss auch mit den Konsequenzen leben, also unter Umständen eine Rückstufung mit weniger verantwortungsvollen Aufgaben akzeptieren, was sich auch auf das Gehalt auswirken kann.

Andererseits ist es natürlich auch wichtig, den Selbstverantwortungspegel in der Mannschaft zu erhöhen, damit man sich von einigen Aufgaben entlasten kann, die andere ebenso gut oder vielleicht sogar besser erledigen können als man selbst. So schafft man sich den nötigen Freiraum, um seinen Kernaufgaben tatsächlich gerecht werden zu können. In der Regel führt das übrigens auch beim Mitarbeiter zu mehr Anerkennung und Wertschätzung und damit gesteigerter Befriedigung – alles wichtige Zutaten für die Eigenmotivation und eine unternehmerisch denkende Haltung.

Delegieren: Kontrolle und Vertrauen

Das hört sich leider einfacher an als es ist. Um Eigenverantwortung bei den Mitarbeitern zu stärken, müssen Sie als Führungskraft lernen, zumindest begrenzt Kontrolle abzugeben. Was Delegieren so schwierig macht, können Sie hier nachlesen. Auch vielen meiner Coaching-Klienten fällt das anfangs schwer. Ich bekomme oft zu hören: „Bis mein Mitarbeiter kapiert hat, worum es geht, habe ich das schon drei Mal selbst erledigt!“

Das ist zu Beginn sicherlich richtig, aber Sie denken mit so einer Haltung zu kurz. Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter die Chance geben, ein neues Aufgabengebiet eigenverantwortlich zu betreuen, benötigt das zwar eine Anlaufzeit und Geduld Ihrerseits. Dafür wird Ihr Mitarbeiter das in ihn gesetzte Vertrauen belohnen mit guter Leistung, die Sie langfristig deutlich entlastet. Spielregeln, die für alle Beteiligten gelten, helfen dabei, klare Aufgabenteilungen vorzunehmen.

Die Natur als Vorbild für ein schlagkräftiges Team

Denken Sie an das Ökosystem Fluss mit seiner der jeweiligen Geografie und Geologie angepassten Fließgeschwindigkeit. Er hat eine klare „Zielvorgabe“, nämlich das Meer. Der gesunde Fluss lebt mit allen Umwelteinflüssen im Gleichgewicht.

Das geht sogar so weit, dass er sich in erstaunlichem Maß von selbst regulieren kann. Bei Störungen werden zahlreiche hoch spezialisierte Kleinstlebewesen und Stoffwechselprozesse aktiv, und tragen dazu bei, den Fluss wieder zu reinigen. Zum Wohle des Gesamt-Organismus arbeiten alle Teile des Systems zusammen. Sie ordnen sich diesem Ziel unter und können sich quasi darauf verlassen, dass jeder seine Teilaufgabe erfüllt.

Führungskompetenz: Weiter oben immer mehr gebraucht

Delegieren zu lernen gehört zu den „Dauerbrennern“ im Führungsalltag, und selbst altgediente Führungskräfte können sich hier immer noch weiter entwickeln. Das zeigt jedenfalls meine Erfahrung im Executive Coaching. Denn je höher Sie in der Hierarchie steigen, umso anspruchsvoller werden auch Ihre Führungsaufgaben. Logisch, denn Sie führen dann ja auch anspruchsvollere Menschen, deren Motivation Sie mit zu viel Kontrolle ersticken.

Lösungsansätze zum Thema Delegieren finden Sie übrigens auch bereits hier auf dem Blog – oder Sie lesen meinen aktuellen Artikel bei business-wissen.de.

Wie immer interessieren mich auch Ihre Erfahrungen – lassen Sie mich teilhaben an Ihren Erkenntnissen und diskutieren Sie hier Ihre Ideen mit anderen Leistungsträgern!

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei