Auswertung der Umfrage zu Herausforderungen im Führungsalltag

Auswertung der Umfrage zu Herausforderungen im Führungsalltag

Anfang Dezember startete ich hier auf dem Blog eine Umfrage unter Führungskräften mit Personalverantwortung. Ich wollte wissen, mit welchen Herausforderungen sich Führungskräfte aktuell konfrontiert sehen. Denn mich bewegt ja ständig die Frage, wie ich meine Klienten noch besser „abholen“ und damit unterstützen kann.

Tatsächlich hat die Umfrage für mich interessante Ergebnisse erzielt. Zunächst die Fakten:

Insgesamt haben im Zeitraum vom 7.12.2010 bis 9.01.2011 39 Menschen teilgenommen. Insofern ist die Aussagekraft natürlich einerseits begrenzt, auch wenn diese Teilnehmerzahl für meinen noch recht jungen Blog schon recht ordentlich ist. Andererseits glaube ich durchaus, dass die Zahlen zumindest einen gewissen Trend erkennen lassen, der natürlich durch weitere Umfragen in den nächsten Jahren noch gestützt werden muss.

Die Ausgangsfrage lautete: Was ist für Sie in Ihrem Führungsalltag aktuell die größte Herausforderung?

Aus insgesamt 17 vorgegebenen Antworten konnten die Teilnehmer bis zu 10 Antworten ankreuzen:

  • Ich will eine gute Performance bringen, befürchte aber, den Erwartungen der anderen nicht gerecht zu werden.
  • Ich wirke nach außen souverän, aber es fällt mir oft schwer, kühlen Kopf zu bewahren.
  • Ich will meine Mitarbeiter zum „Mitdenken“ statt „Abarbeiten“ bewegen.
  • Ich muss immer schneller entscheiden, ohne die Folgen absehen zu können.
  • Ich denke manchmal, dass keiner sieht, wie viel ich tatsächlich leiste – etwas mehr Wertschätzung wäre schön.
  • Ich fühle mich unsicher bis orientierungslos in der neuen Rolle oder Position.
  • Ich kann mit niemandem offen über meine „wirklichen“ Themen sprechen.
  • Ich muss ständig für alle erreichbar sein und möglichst immer sofort reagieren – das überfordert mich zunehmend.
  • Der Konkurrenzkampf untereinander wird immer schlimmer.
  • Ich verbringe zu viel Zeit mit administrativen Aufgaben.
  • Die Sandwichposition zwischen Chef und Team macht mir ziemlichen Druck.
  • Ich habe viel zu wenig Gestaltungsspielraum und fühle mich oft „ausgebremst“.
  • Ich habe zu wenig Einfluss im Unternehmen, weil ich mich nicht gut genug durchsetzen kann.
  • Ich möchte was bewegen, aber habe das Gefühl, dass ich „am ausgestreckten Arm verhungere“.
  • Ich kenne die politischen Spielregeln im oberen Management nicht ausreichend und mache deshalb Fehler.
  • Mir fehlt die Perspektive: Ich funktioniere nur noch, aber der Spaß fehlt.
  • Ich setze einfach zu wenig Grenzen – ich sage zu selten „Nein!“

Hier die Verteilung der Antworten in der Übersicht:

(Quelle: SurveyMonkey.com)

Wer hätte das gedacht?

Die meisten Stimmen bekam die Aussage „Ich will meine Mitarbeiter zum „Mitdenken“ statt „Abarbeiten“ bewegen“ – insgesamt 69,2 %! Weit abgeschlagen folgen auf dem zweiten und dritten Platz dicht hintereinander „Ich denke manchmal, dass keiner sieht, wie viel ich tatsächlich leiste – etwas mehr Wertschätzung wäre schön“ mit 38,5 % und „Ich verbringe zu viel Zeit mit administrativen Aufgaben“ mit 35,9 %. Gleich häufig genannt wurden mit jeweils 30,8 % die Aussagen „Ich kann mit niemandem offen über meine ‚wirklichen‘ Themen sprechen“ und „Ich setze einfach zu wenig Grenzen – ich sage zu selten ‚Nein!’“

Das war es also, was zum Ende des Jahres von Führungskräften mit Personalverantwortung als Hauptbelastungen empfunden wurde. Etwas zugespitzt könnte ich das übersetzen mit: „Ich möchte andere dazu bewegen, mitzudenken und ich will meinen Job gut machen, aber mein Umfeld – die anderen – bremsen mich dabei. Und die Gegenleistung – die Anerkennung für den hohen Einsatz also – stimmt nicht.“

Umdenken ist erforderlich

Wenn die hauptsächliche Herausforderung tatsächlich darin besteht, die Mitarbeiter zum Mitdenken zu bewegen, könnte das natürlich darin resultieren, dass man die Aufgaben, die eigentlich von anderen übernommen werden könnten, aus lauter Verzweiflung selbst übernimmt. Und schon ist der Anteil der administrativen Tätigkeiten viel zu hoch – und der entsprechende Arbeitsanteil erhöht sich auf ein ungesundes Maß. Darüber hinaus weiß ich von immer mehr Leistungsträgern in Unternehmen, dass die „Absicherungstendenz“ deutlich zunimmt. Je größer das Unternehmen, so scheint mir, um so häufiger passiert es, dass niemand die notwendige Entscheidung treffen und Verantwortung übernehmen möchte. Anscheinend passiert es immer öfter, dass man sich mit immer mehr Dokumenten und Schriftstücken „abzusichern“ versucht, es gilt immer weniger das „abgesprochene Wort“, sondern zunehmend mehr die „definierte Prozessablauffolge“. Dass das schwerwiegende Folgen für die Innovationsnotwendigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in der deutschen Wirtschaft hat, muss ich wohl nicht näher erläutern. Und dass es meiner Ansicht nach notwendig ist, eine „Vertrauenskultur“ in den Unternehmen zu etablieren, habe ich ja kürzlich auch hier gebloggt.

Ich finde die Aussagen in meiner Umfrage jedenfalls von der Tendenz her sehr interessant, weil sie meiner Meinung nach zum einen zeigen, dass die Führungskräfte mit Personalverantwortung deutlich andere Themen als ihre Herausforderungen benennen, als die Medien aktuell darstellen: Die ständige Erreichbarkeit beispielsweise wird gar nicht unbedingt als Problem empfunden. Im Vordergrund steht vielmehr die Frage, wie man mit der aktuellen Arbeitsflut und unproduktiven Mitarbeitern umgehen kann. Und auch der Wunsch nach mehr Anerkennung und Wertschätzung für die hohe Leistungsbereitschaft scheint ein Thema zu sein, das bisher eher selten angesprochen wurde.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind, weil 39 Teilnehmer noch keine definitiven Aussagen zulassen. Dennoch denke ich, dass meine Interpretation durchaus zulässig ist, weil sie sich auch in weiten Teilen mit den Themen deckt, die ich in den Gesprächen mit meinen Klienten erlebe.

Dass sich die saisonale Ruhezeit zwischen Weihnachten und Neujahr ebenfalls auf die Ergebnisse ausgewirkt hat, war übrigens eine zusätzliche spannende Beobachtung, auf die ich dann am Freitag noch weiter eingehen werde.

Spiegelt das Ergebnis Ihre Erwartungen wider oder hatten Sie vielleicht ganz andere Zahlen erwartet? Ich bin sehr gespannt auf Ihre Einschätzungen.

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