Der Leistungsträger - Blog

Nachdem ich für den Blog-Carnival des managerSeminare-Blogs bereits einen Artikel zum Krisenmanager Natur beigesteuert habe, geht es heute um konkrete Strategien, die ich in der aktuellen Krise selbst befolgt habe.

Bei vielen Kolleginnen und Kollegen konnte ich im letzten Jahr regelrechte Panikreaktionen beobachten: Was soll noch werden, wenn das so weitergeht? Wie konnte das passieren? Welche Maßnahmen ergreife ich jetzt? Wie kann ich meine Kosten reduzieren? Wie komme ich jetzt an neue Kunden?

Dabei entsteht dann oft eine beachtliche Reihe von einzelnen Maßnahmen, die ergriffen werden und jede Menge Unordnung – „unkoordinierte Willkür“, wie es Kybernetiker treffend beschreiben. Die Natur könnte uns helfen, es besser zu machen – mit 4 Strategien, die ich persönlich hilfreich fand:

  1. Akzeptieren
    Viele kämpfen erst mal gegen die Krise. „Dagegen muss man irgendwie angehen!“, „Ich muss doch irgendwas tun!“ sind typische Sätze. Ich glaube, viele dachten, an der Situation ließe sich etwas ändern, wenn man nur genug machen oder Willensstärke zeigen würde. Man nahm an, man hätte alles genauso in der Hand wie in Konjunkturphasen. Aber ich glaube, es ist genau dieser Gedanke, der ganz oft zu unnötigem Stress und blindem Aktionismus geführt hat. Für die Natur ist eine Veränderung, und sei sie noch so groß und negativ, völlig normal. Kein Lurch hätte je gegen die aufkommende Eiszeit angekämpft, kein Urpferd sein Revier verteidigt; biologische Organismen haben sich angepasst. Die Natur mag mit den Veränderungen auch nicht einverstanden sein, aber sie geht damit um, indem sie den Missstand integriert, statt ihn zu bekämpfen, also das Beste – und manchmal sogar noch Besseres – daraus macht.

    Mir hat dieser Gedanke im letzten Jahr geholfen. Statt Energie darauf zu verschwenden, über etwas zu jammern, was ich nicht ändern kann, habe ich stattdessen überlegt, wie ich meine Aktivitäten an die veränderten Bedingungen anpassen kann. Die Krise konnte ich dann ganz neutral als Ausgangspunkt für mögliche Entwicklung betrachten.

  2. In langen Zeiträumen denken
    Sicherlich sind Kurzfriststrategien überlebenswichtig. Auch unser Körper reagiert auf eine Verletzung mit Sofortmaßnahmen. Sind diese aber eingeleitet, die Gefahr vorerst vorüber und das Überleben gesichert, verfolgt jeder lebende Organismus sein zweithöchstes Ziel: das Wachstum in seiner veränderten Umgebung. Kehrt die Bedrohung zurück, wird erneut erst das Überleben gesichert und sofort wieder das Wachstum forciert.

    Für mich bedeutet das: Kurzfristig muss ich natürlich schauen, welche Maßnahmen schnell greifen, um meinen Lebensstandard halten zu können. Langfristig geht es aber um mehr, nämlich sich zu fragen, wie ich vielleicht meinen Denkmodus verändern kann. Schließlich will ich ja auch die nächsten 20 Jahre Erfolg haben – und die nächste Krise kommt bestimmt.

  3. Standardisierte Reaktionen taugen nicht zur Anpassung
    Bei biologischen Organismen sind Überlebensmechanismen standardisiert. Die Blutgerinnung beispielsweise läuft immer nach dem gleichen System ab, um im Notfall zur Verfügung zu stehen. Ähnliches gilt für Unternehmen und Selbstständige: schnell Überblick gewinnen, die Liquidität halten, Kosten senken – all das sind sinnvolle Sofortmaßnahmen, um zunächst das Überleben sicherzustellen.

    Aber bei der Anpassung an veränderte Märkte helfen standardisierte Lösungen eher weniger, es geht um kreative Strategien. So teilen sich heute zwei Überlebende der Eiszeit den Lebensraum Tundra: Moschusochsen und Karibus. Auf die schneereichen Phasen stellten sie sich sehr unterschiedlich ein. Während die einen in den Wintermonaten ihren Stoffwechsel förmlich herunterfahren und nur noch ein Drittel der Nahrung benötigen, wenden die anderen noch mehr Energie auf. Das Karibu-Rentier wandert bis zu 5.000 Kilometer in einem Winter, um konstant Nahrung zu finden

    Die Leitfrage muss also lauten: Wie kann ich mich positiv verändern – mit meinen Angeboten, auf meinem Markt, mit meinen Ressourcen? Und ganz wichtig: Wie kann ich mich auf meine Stärken und Besonderheiten konzentrieren und diese gezielt einsetzen? Auf diese Fragen habe ich mich im letzten Jahr stark konzentriert und meine Positionierung nochmals klarer definiert – ein Ergebnis dieses Prozesses ist beispielsweise dieser Blog!

  4. Steuerungsmechanismen etablieren
    Sicher ist es bisweilen auch notwendig, schnell die richtige Maßnahme einzuleiten, um in einer unvorhersehbaren Situation zu überleben. Waldtiere können bei einem Brand vor den Flammen davonlaufen, einige schaffen es auch, sich auf diese Weise zu retten. Die Natur aber zeigt uns, dass Steuerungsmechanismen viel wertvoller für dauerhaftes Überleben sind – zum Beispiel in Insektenstaaten wie bei Ameisen. Unzählige Individuen kooperieren hier hervorragend und verfolgen ein gemeinsames Ziel, Überleben und Vermehrung. Drei Erfolgskonzepte fallen dabei auf: höchste Produktivität durch ausgefeilte Arbeitsteilung, hochkollektives Verhalten durch Kommunikation und eine heterarchische, also selbstgesteuerte, gleichwertige Organisation. Das Ziel und die Spielregeln müssen für alle klar und verbindlich sein.

    Für mich hat das bedeutet, mir ein Team von Dienstleistern zusammenzustellen, die mich bei meiner Arbeit sinnvoll und möglichst ressourcensparend unterstützen. Dabei greife ich auf deren Know-how zurück und verabschiede mich von der Annahme, ich könnte oder müsste alles selbst erledigen. Inzwischen läuft die Kommunikation größtenteils reibungslos, auch wenn natürlich immer wieder mal optimiert werden darf. Jeder weiß, worauf es mir ankommt und was meine Schwerpunkte sind und kann seine Aktivitäten entsprechend darauf einstellen.

Krisen lassen sich nicht vermeiden, sie gehören zum Leben dazu. Die Herausforderung besteht darin, angemessen damit umzugehen. Die Natur ist für mich ein besonders gutes Vorbild – und ich habe mir dort einige Strategien abgeschaut, die für mich sehr gut funktionieren.

Können Sie mit diesen Ideen etwas anfangen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei