Der Leistungsträger - Blog

Hauptberuflich „nebenbei“ – Vom Umgang mit dem Information Overkill

Manchmal schwirrt mir der Kopf von den unzähligen Infos und Impulsen, die jeden Tag auf mich einprasseln über Newsletter und Blogs, Artikel in Fachzeitschriften und Online-Portalen oder durch Gespräche mit Freunden, Klienten und Auftraggebern. Nicht zu vergessen, dass die gesamte Kommunikation sich scheinbar allmählich vom Telefon auf die Mails verlagert, „weil’s ja schneller geht“. Da kommen schnell 50 bis 100 Mails am Tag zusammen, die mindestens zur Hälfte auch beantwortet werden wollen. Seit ich blogge, hat sich diese Informationsflut gefühlt verdoppelt, weil ich ja auch gezielt nach Themen Ausschau halte, die für Sie interessant sein könnten.

Das Schlimme daran: Alles passiert gleichzeitig. Gerade bin ich dabei, eine Mail zu beantworten oder ein Angebot zu formulieren. Und dann erscheint plötzlich diese kleine akustische oder visuelle Meldung, und man weiß, es ist wieder eine neue Mail gekommen. Soll man jetzt der allzu menschlichen Neugierde nachgehen – oder eisern und konsequent bei der Sache bleiben? Beides kostet Kraft.

Dass gerade der Umgang mit digitalen Medien auch Grenzen hat, spüre ich am eigenen Leib. Und anscheinend ist es tatsächlich so, dass die Informationsflut, besonders bezogen auf die Aufenthaltsdauer im Internet, auf Kosten der Konzentration und des Nachdenkens geht. Es fällt schwerer, in die Tiefe zu gehen, den Dingen wirklich auf den Grund zu kommen. Zudem hat man nachgewiesen, dass sich das tatsächlich auch auf der Zellebene widerspiegelt. Anscheinend verändert sich das menschliche Gehirn inzwischen auffällig schnell. Durch die intensive Nutzung des Internets werden unsere Zellen quasi umcodiert. Irgendwie finde ich das schon bedenklich.

Das alles führt dazu, dass man sich getrieben fühlt. Man will ja auch „alles“ Wichtige mitbekommen, mitreden können, informiert sein – das entspricht dem natürlichen „Neugierde-Prinzip“. Zur individuellen Life-Balance trägt das nicht gerade bei. Runter kommen, um in Ruhe über die Dinge nachzudenken, scheint oft gar nicht mehr möglich. Oder hindern wir uns am Ende selbst daran? Mir kommt es so vor, dass wir uns oft von den Umständen diktieren lassen statt eine freie Entscheidung zu treffen.

Vielleicht mögen Sie mal überlegen, was Sie neben dem, wofür Sie eigentlich bezahlt werden, auch noch tun. Was haben Sie sich zusätzlich zur Aufgabe gemacht? Wofür wenden Sie Zeit auf – weil Sie möglicherweise noch immer denken, Multitasking würde funktionieren? Was es natürlich nicht tut, nicht mal bei Frauen 😉 .

Abschalten ist ein bewusster Vorgang, den wir steuern können. Aber nicht, indem wir „überschalten“ oder auf mehreren Kanälen gleichzeitig senden und empfangen.

Was sind Ihre Strategien beim Umgang mit dem Information Overkill? Wie erleben Sie das überhaupt? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei