Die Fokus-Falle – und wie man daraus entkommt

Die Fokus-Falle – und wie man daraus entkommt

Schon oft habe ich festgestellt, dass ich eine sehr hohe Arbeitsgeschwindigkeit habe. Ich bin ausgesprochen gut darin, mich extrem zu fokussieren und kann dann innerhalb kürzester Zeit sehr viel erledigen und bewegen. Das verbindet mich übrigens mit vielen anderen Menschen, die dazu imstande sind, Höchstleistungen zu erbringen. Wahrscheinlich ist es nicht zuletzt diese Stärke, die uns zu Leistungsträgern macht, weil wir einfach schneller agieren können als andere.

Wie so oft hat die Stärke allerdings auch eine Schattenseite: Manchmal fokussieren wir so sehr, dass wir bildlich gesprochen zwar das Facettenauge einer Fliege erkennen können. Leider verlieren wir dabei aber das große Ganze aus dem Blick und vergessen völlig, dass es sich bei dem „Ding“ da vor uns um eine Fliege handelt. Vor lauter Detailfokussierung fällt es dann schwer, wieder den nötigen Abstand zu bekommen. Der ist aber nötig, um Bezüge wieder herstellen zu können und zu sehen, wo das eine ins andere greift.

Dieses Phänomen nenne ich die Fokus-Falle, in die sehr viele Leistungsträger immer wieder tappen.

Ich habe schon vor Jahren meine eigene Lösung dafür entwickelt und sorge für „gesetzte“ Auszeiten, in meinem Fall das tägliche Joggen. Dabei kann ich wieder Abstand gewinnen und entspannt auf die Dinge schauen. Ich merke regelrecht, wie ich wieder locker werde und die Gedanken freier fließen. Sehr oft passiert es mir sogar, dass mir beim Laufen eine Lösung geradezu zufliegt. Ich zoome innerlich sozusagen vom extremen Detail zurück auf normal.

So eine gewohnheitsmäßige Refokussierung halte ich generell für sinnvoll, und jeder hat da wahrscheinlich seine eigenen Strategien: Ob Sie sich in die Badewanne legen, wandern oder Radfahren, intensiv Musik hören oder meditieren, ist völlig egal. Hauptsache, Sie schalten wirklich ab und geben Ihrem auf Höchstleistung getrimmten Gehirn mal eine wohl verdiente Auszeit. Wichtig ist, dass Sie es regelmäßig tun und eine Gewohnheit daraus machen.

Davon profitiert übrigens auch das soziale Umfeld, Kollegen und Mitarbeiter. Denn wenn wir wieder entspannter sind, macht die Arbeit wieder mehr Freude – und die können wir teilen und andere mitreißen. In der angespannten Fokusphase fällt das nämlich manchmal unter den Tisch.

Verraten Sie mir Ihr „Refokussierungs-Rezept“? Vielleicht inspirieren Sie ja damit auch andere. Ich freue mich über Ihren Kommentar.

2 Kommentare

  1. Der Artikel gefällt mir. Um die Gedanken von Job und geschäftlichen Aufgaben zu lösen muss ich mir eine Aufgabe geben auf die sich mein Kopf konzentrieren kann – aber die nichts mit meinem Job zu tun hat.

    Um mich zu refokussieren habe ich jeden Donnerstag einen Termin mit mir, 90 Minuten Pilates. Ohne Ausrede, kein Verschieben, immer im selben Kurs.

    Dabei versuche ich immer ganz in meinem Körper zu sein, Gedanken auf die Übungen zu lenken.
    Das muss ich auch, denn Pilates fällt mir nicht leicht. Die Grundhaltung des Körpers finde ich schwierig und muss mich konzentrieren, will ich sie korrekt ausführen.

    So habe ich während des Kurs meine Gedanken ganz bei mir und freue mich anschließend auf die erlebte Job-Pause in meinem Kopf.

    • Gudrun Happich

      Liebe Frau Sinterhauf,

      das ist ja eine prima Variante um aus der FokusFalle wieder rauszukommen. Und da ich Sie ja ein wenig kenne, kann ich mir bildhaft vorstellen, wie Sie dieses Kunststück meistern.
      – Sie haben einen wichtigen Punkt angesprochen: eine für Sie wichtige „Aufgabe“ die absolut gar nichts mit Ihrem Job zu tun hat. – so kann das „Umschalten“ besser gelingen – und wenn es dann auch noch Spaß macht und gut tut ist bestimmmt ein gutes „Werk“ geschafft. – Prima, ich drücke Ihnen weiterhin die Daumen und freue mich auf weitere anregende Kommentare.

Einen Kommentar schreiben

Dankeschön!
Eigentlich dachte ich gestern, das wird ein ganz normaler Tag. Aber ganz unverhofft wurde dieser Tag dann völlig anders [...] mehr