Der Leistungsträger - Blog

Letzte Woche habe ich mit Ihnen meine Gedanken darüber geteilt, warum hohe Arbeitszeiten nicht automatisch ein Indikator für Höchstleistung sind. Eine der Ursachen für Arbeitsüberlastung ist sehr häufig die Tatsache, dass Führungskräfte zu wenig delegieren.

Zum Thema Delegation lässt sich natürlich viel sagen, und daher plane ich dazu eine kleine Artikelserie. Heute geht es mir um die Frage, warum Delegieren überhaupt so häufig Thema ist.

Nächste Woche habe ich dann ein paar Strategien für Sie, wie Sie richtig delegieren. Und zum Schluss gibt es einen Blick durchs „Schlüsselloch“: Einer meiner Klienten beschreibt, wie er das Thema für sich gelöst hat.

Schwierigkeiten beim Abgeben von Aufgaben

Delegieren gehört zu den Kernaufgaben einer Führungskraft, und dennoch tun sich viele schwer damit. In meinen Führungskräftecoachings ist das eins der Standardthemen, und zwar ganz egal, ob jemand „Führungs-Frischling“ ist oder schon zu den alten Hasen gehört. Im Grunde tauchen immer wieder dieselben drei Motive auf, wenn es um Probleme mit dem Delegieren geht:

  • Die Führungskraft möchte beste Qualität abliefern. Sie traut ihren Mitarbeitern nicht zu, die Aufgabe pünktlich und erfolgreich zu lösen. Aus Angst, es könnte schiefgehen, übernimmt sie den Job dann lieber selbst. Hinter dieser Haltung steht die Überzeugung „Ich kann es ja doch am besten!“ – jedenfalls gerade jetzt, wo es drauf ankommt.
  • Die Führungskraft möchte ihre Alleinstellung verteidigen – nach dem Motto „Wenn ich der Beste bleiben will, muss ich eben auch alles alleine machen.“ Wer so denkt, befürchtet insgeheim, dass seine Mitarbeiter an ihren Aufgaben so weit wachsen könnten und sich so viel Know-how aneignen, dass sie am Ende womöglich die Führungskraft überrunden.

    Das ist übrigens eine Angst, die viele Führungskräfte teilen, auch wenn sie normalerweise mit niemandem darüber reden. Wenn ich aber im Coaching formuliere, dass viele so denken, reagieren meine Klienten erleichtert, weil sie erkennen, dass sie mit so „uncoolen“ Gedanken nicht allein sind. Dabei finde ich diese Angst völlig nachvollziehbar. Man muss nur schauen, dass man dafür den richtigen Umgang findet.

  • Mancher Leistungsträger, der in eine Führungsposition aufsteigt, hat sich bisher über seine fachlichen Leistungen definiert. Nun beschleicht ihn mit einem Mal das Gefühl, dass er „nur noch“ organisiert. Und er hat dann das Gefühl, dass seine Leistung im Grunde nichts mehr wert ist. Bislang war es eben die fachliche Kompetenz, seine Funktion als Experte, die zählte. Jetzt fällt es ihm schwer zu begreifen, dass sein Job nun tatsächlich im Management besteht. Er denkt noch immer, dass die fachliche Arbeit den wirklichen Wert ausmacht, und deshalb hält er an ihr fest.

Erkennen Sie sich darin wieder? Und welche Lösungen haben Sie dafür gefunden?

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei