Lange Arbeitszeiten – ein Indiz für Höchstleistung?

Lange Arbeitszeiten – ein Indiz für Höchstleistung?

Letztens las ich von einer Studie, laut derer jede fünfte Führungskraft mindestens 60 Stunden pro Woche arbeitet. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen im Coaching bei vielen meiner Klienten. Die meisten von ihnen sind in dieser Situation, weil sie glauben, dass ihnen in ihrer Position gar nichts anderes übrig bleibt. Sie fühlen sich verantwortlich für ihren Bereich, sind extrem engagiert – und sie arbeiten deshalb ein Pensum ab, das auf Dauer einfach viel zu viel wird.

Oft sehen sie aber keinen Ausweg aus diesem Dilemma: Sie merken zwar einerseits, dass sie zusehends an ihre Grenzen stoßen, aber andererseits wollen sie ihren Aufgaben eben hundert Prozent gerecht werden.

Ich denke, Wochenarbeitszeiten, die ständig über 60 Stunden liegen, können nicht das Normalmaß sein, auch wenn ich von einer Führungskraft realistischerweise höheren Einsatz und auch temporäre Wochenendschichten erwarten kann.

Welche Strategien können helfen?

Zunächst einmal muss ich als Führungskraft überhaupt bemerken, dass ich hier vor einer Herausforderung stehe. Dieser erste wichtige Schritt fällt vielen, die im Hamsterrad stecken, schon mal schwer. Um den Kopf hin und wieder frei zu bekommen, hilft es, wenn man seine eigenen Methoden hat, um ab und zu abzuschalten.

Ich habe da inzwischen übrigens meine ganz persönliche Methode gefunden: Ich jogge. Jeden Morgen. Immer dieselbe Runde.

Dabei bin ich in Bewegung, aber ganz ohne den Leistungsgedanken. Als ehemalige Sprinterin habe ich mir nämlich bewusst eine Sportart gesucht, in der ich nicht wirklich gut bin und auch nicht gewinnen kann. Nur deshalb kann ich beim Joggen überhaupt Entspannung erleben. Ich nenne das „vegetatives Meditieren“ – denn nach einer Weile wird der Kopf einfach leer und die Gedanken kommen und gehen, Kreativität entsteht und Entspannung macht sich breit. Kann ich sehr empfehlen!

Ursachenforschung

Wenn ich mir dann also bewusst geworden bin, dass die Belastungssituation zu hoch ist, folgt die Frage nach den Ursachen: Delegiere ich vielleicht zu wenig? In diesem Fall geht es darum zu lernen, wie man Aufgaben sinnvoll verteilt und eine schlagkräftige Mannschaft aufbaut, damit man nicht im operativen Müll erstickt.

Manchmal hat die Arbeitsüberlastung allerdings auch eher strukturelle Ursachen. Dann ist ein Gespräch mit dem Vorgesetzten fällig, um nach gangbaren Lösungen zu suchen, die mittel- bis langfristig greifen.

In letzter Zeit erlebe ich es vermehrt, dass Klienten das Coaching als Auszeit nehmen, um mit einem professionellen Sparringspartner ihre Situation zu reflektieren. Da können wir dann zusammen alles sortieren und pragmatische und gangbare Schritte definieren, um einen Weg heraus aus der belastenden Situation zu finden. Bei vielen führt das zu einer enormen Entlastung. Dann ist auch wieder Kraft da, um tatsächlich nach Wichtigkeit und nicht nur nach Dringlichkeit zu priorisieren.

Was denken Sie zum Thema Überstunden? Und wie entspannen Sie?

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